Montag, 2. Juli 2012

Betrachtung der Depression


Im Laufe der Jahre als Therapeut, in denen immer deutlicher wird, welch große Rolle der emotionale Faktor bei chronischen Krankheiten spielt, wird einem immer bewusster die Aussage Erich Fromms dahingehend, dass „alle Probleme der Menschen aus dem Umstand resultieren, dass ihre spirituellen Bedürfnisse nicht befriedigt werden“, seien sie bewusst oder unbewusst.

Wie ist das zu verstehen? Nach Erich Fromm sind alle Menschen eins mit Gott, der Schöpfung. Aber sie spüren, erleben es nicht. Sie fühlen sich abgetrennt davon. Durch dieses Gefühl des Abgetrenntseins entsteht eine Leere in den Menschen.

Diese Leere spüren die meisten Menschen unbewusst und suchen sich Kompensationen, um diese Leere zu füllen, meist im Beruf, Hobbies, Liebe, Geld, Urlaub, Sport uvm. All diese Dinge vermögen aber nicht wirklich die Leere zu füllen. Entweder man erreicht das angestrebte Ziel nicht und ist deswegen unzufrieden oder man erreicht es, erlebt einen kurzen Glücksmoment, gleich darauf aber wieder die Leere, so dass man sich wieder ein neues Ziel setzt.

Das ist das sog. „Glück von außen“, da das Glück an äußere Dinge gebunden ist. Das ist kein wahres Glück. Wenn dem so wäre, so müssten wir in den westlichen Industrienationen die glücklichsten Menschen der Welt sein, denn nirgendwo ist der Überfluss an materiellen Dingen so groß wie bei uns.

Tatsächlich aber ist Unzufriedenheit, Depression, Angst etc. ein Phänomen der reichen Länder und in armen Ländern nahezu unbekannt.

Nach Erich Fromm – und dies entspricht vollkommen meiner eigenen Erfahrung – kann es wahres Glück nur von innen geben. Und dies wiederum nur dadurch, dass die Verbindung zu Gott, welche stets besteht, wieder ins Erleben gebracht wird. Dies kann nur über einen spirituellen Weg gelingen, die Kirche wird dieser Anforderung in der heutigen Zeit nicht mehr gerecht.

Ist diese Verbindung, das Erleben, dass man eins ist mit der Schöpfung, das Gott in uns ist, wieder hergestellt, dann erfährt der Mensch ein Glück, welches so unendlich viel größer und bereichernder ist, als alles andere, was man im Außen finden könnte. Und dieses Glück kann einem keiner nehmen, da es nicht an eine äußerliche Bedingung, wie Geld, Partner etc. gebunden ist.

Was erlebt nun der depressive Mensch? Man könnte auf eine gewisse Weise sagen, dass der depressive Mensch einen Schritt weiter ist, denn er spürt, dass dieses Füllen, dieses „Zustopfen“ der Leere mit äußeren Dingen nicht mehr funktioniert. Die Kompensationsmechanismen, welche die meisten Menschen zu Hilfe nehmen, um die Leere nicht zu spüren, greifen bei dem depressiven Menschen nicht. Er spürt die Leere dennoch und sieht keinen Sinn im Leben.

Im Grunde ist das eine gesunde Entwicklung, denn sie führt zum Kern, zu den wichtigsten Fragen des Lebens, welche die meisten Menschen gerne verdrängen. Und er hat völlig Recht, denn Sport, Autos, Urlaub – kurz materielle Dinge - etc. können ja nicht der Sinn der menschlichen Existenz sein.

Somit ist es auch erklärlich, dass Depression ein Phänomen der reichen Länder ist. Denn man muss erst einmal alles haben, um feststellen zu können, dass es eine Illusion ist, wenn man glaubt, dass man glücklicher wäre im Überfluss.

Wie kann man nun der Menschheit helfen an diesem Punkt? Erich Fromm sagt es ganz klar. Man muss einen Weg aufzeigen, um es den Menschen zu ermöglichen, die Verbindung mit Gott wieder ins Erleben zu bringen.
Dies versuchen die spirituellen Wege aller Zeiten, sei es der altindische Yoga Weg, der Buddhismus, Taoismus, schamanische Wege, Alchimisten oder die Anthroposophie.

Diese Verbindung zu erleben, sie wirklich aktiv und real zu erleben im Wege von Meditation, das ist das einzige Heilmittel für die gesamte Menschheit oder wie es Rudolf Steiner formuliert:

"Ein geistiges Leben in sich zu erfühlen, von einem solchen geistigen Leben etwas zu wissen, welches über das physische Leben hinausgeht, das gibt dem Menschen eigentlich erst seine Würde".


Und nur der spirituelle Weg, das Erleben von geistigen Wahrheiten, welche hinter den materiellen Dingen und Prozessen verborgen wirken, gibt dem Menschen die Sicherheit und Gelassenheit im Leben, welche nötig ist, um eine Heilung von Krankheit, auch einer Hautkrankheit, zu ermöglichen.